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Flight Girl Kolumne 3/26 – Cleveland This Is For You

by Aurelia Rieke
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Warum fällt es uns so viel leichter, das Schlechte in Dingen zu sehen, als das Gute? Ihr wisst, ich bin ein Fan davon, die schönen Dinge zu beleuchten, statt nach den Fehlern zu suchen. Vergangene Nacht hat Bam Adebayo 83 Punkte im Homegame gegen die Wizards gedroppt und ist damit nach Wilt Chamberlain der zweite Spieler in NBA History mit den meisten Punkten und hat somit auch Kobe Bryant mit seinem historischen 81-Punkte-Spiel auf Platz 3 verdrängt.

Gefühlt freut sich kaum einer für ihn. Aber warum ist das so? Wir bringen den Fakt an, dass es gegen ein schlechtes Tanking-Team war, dass es zu viele Freiwürfe waren statt Field Goals. Aber warum waren es denn so viele Freiwürfe? Gerade die Social-Media-World, die momentan am lautesten ihre Stimme erhebt, dass es sie stört, dass man mit „so einem Game“ 83 Punkte scored, haben sich sehr wahrscheinlich die wenigsten von den, überhaupt das Spiel komplett angeschaut. Bam hatte zum Ende immer drei bis sogar teilweise vier Verteidiger gegen sich, die versucht haben, ihn vom Scoren abzuhalten. Natürlich kommt es da schnell zum Foul. Und wir sind nun mal in Zeiten, wo Fouls anders gepfiffen werden als früher. Jetzt kann man das nervig finden, aber dafür kann Bam nichts und es schmälert auch nicht die Leistung.

Und wenn es so leicht wäre, hätten wir ja viel häufiger Spieler, die in die Nähe kommen. Mein Take: Die meisten stört es, dass Kobe, der für viele einfach ihr großes Vorbild, ihre Legende ist, jetzt auf Platz 3 verdrängt wurde und Bam einfach nicht der Big Name ist, der große Fan-Liebling wie Wemby, A.E., LeBron usw. Ich gönne es Bam von Herzen und finde es einfach nur beeindruckend, wie er sich über die Jahre entwickelt hat – von einem Big, der in die Liga kam, um in der Zone den Rim zu protecten und Rebounds zu sammeln, der dir jetzt auch Scoring gibt. Das Bam und A’ja jetzt die beiden aktiven Spieler mit den meisten Made Points in der Liga sind, ist einfach ein nicer Fakt. Nur Liebe für die beiden.

Und wenn wir schon bei dem Thema Liebe sind: Nichts anderes als Liebe und Wertschätzung durfte ich in den vergangenen Wochen erleben. In meiner letzten Kolumne habe ich erzählt, dass ich kurz vor der Abreise Richtung Berlin war, für das erste NBA-Regular-Season-Game in Deutschland. Ich weiß, ich weiß, ich hätte schon viel früher hier wieder ein Update geben müssen, aber ein Event jagte das andere. Nach dem Berlin-Game war vor dem All-Star-Weekend in Los Angeles und nach dem ASW direkt weiter nach Cleveland, wo ich mich jetzt gerade immer noch befinde.

Aber erst mal eins nach dem anderen. Wenn ich glaubte, meine Max-Leistung zu kennen, sollten diese letzten zwei Monate mir noch mal ein anderes Level abverlangen. Ich will nicht wissen, wie oft ich in den acht Wochen zwischen den USA, Deutschland und dem Osten der Welt (Kapstadt, Bangkok, Mauritius) hin- und herfliegen musste. Und in der Verwirrtheit meiner inneren Uhr, wann ich überhaupt schlafen sollen, waren da noch die Interviews mit Franz & Moritz Wagner, GG Jackson, Dwight Howard, Cedric Coward, Derik Queen, Kon Knuepple, Yanic Niederhauser, Brandon Ingram, Donovan Mitchell und Dennis Schröder. Weiter gings mit Live-Schalten, Pressekonferenzen, Podcasts, Aufsagern und viel zu viele Nächte ohne eine Minute Schlaf, wenn ich als Flugbegleiterin durch die Lüfte flog. Der Witz daran: Immer wenn ich glaube, meine Grenze zu erreichen, sehe ich, es geht weiter und weiter. Und merke, wie viel mehr ich schaffen kann, wie schnell man sich limitiert, weil es am Anfang von Weitem zu viel erscheint. Aber wenn man dann durchgeht, passt ein Stein auf den anderen.

Ich kann euch immer nur sagen: Seid mutig, glaubt nicht, dass Aufgaben zu groß für euch sind. Ihr wachst mit der Aufgabe. Gekrönt wurde dann das ganze Spektakel, dass ich eine von nur acht Menschen sein durfte, die zum Voting-Komitee gehört haben, um für den All-Star-MVP abzustimmen.

Ja, harte Arbeit kombiniert mit Leidenschaft für die Sache zahlt sich immer aus. Was mich zum nächsten Thema bringt: Cleveland.

In der letzten Season haben wir in den Playoffs gesehen, dass das Team der Cavs, das uns erst so überzeugt hat in der Regular Season mit einem 15-0-Start, einen historischen Franchise-Rekord aufgestellt hat. Sie führen die Liga an und verzeichneten im März 2025 eine Bilanz von 55 Siegen und 10 Niederlagen, was den besten Start in der Teamgeschichte darstellt. Die Cleveland Cavaliers beendeten die reguläre Saison 2024/25 mit einer beeindruckenden Bilanz von 64 Siegen und 18 Niederlagen und sicherten sie sich den ersten Platz in der Eastern Conference.

Ganz anders sah es dann aber in den Playoffs aus. Bei den Exit-Interviews sprach unter anderem Donovan Mitchell darüber, dass dem Team diese „Dog-Mentalität“ gefehlt hat. Talent ist nicht alles, du musst auch um jeden Preis gewinnen wollen.

Erst zur vergangenen Trading Deadline sahen wir einige Trades auf Seiten der Cavs, die durch den Zugang von James Harden als auch Dennis Schröder genau solche zwei Persönlichkeiten mit reinbringen, die den Spice haben, das Rezept für die Playoffs perfekt abzustimmen. Derzeit befinde ich mich, wie vorhin schon kurz erwähnt, in Cleveland, um mir das Ganze mal genauer anzuschauen. Zwei Spiele habe ich schon gesehen und am Sonntag folgt das letzte gegen die Mavs, bevor es wieder nach Deutschland geht. Nach dem Sieg gegen die 76ers am Montag konnte ich mit Dennis genau über dieses Thema sprechen: Ob das mit ein Grund ist, dass der fit für ihn hier in Cleveland so gut ist, da er genau das mitbringt.

„Ich glaube schon. Es ist eine Winning-Organisation. Es sind Leute und Charaktere in der Kabine, die gewinnen wollen – Und ich freue mich, bei dieser Gruppe sein zu dürfen. Nach so einem anstrengenden beziehungsweise schwierigen Start in Sacramento, ist das hier das Beste, was mir passieren konnte.“

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Dennis es schafft, sich so schnell an neue Teams anzupassen. All die Erfahrung, die er sammeln konnte durch die lange Zeit in der NBA und die unterschiedlichsten Systeme und Herangehensweisen der Teams, in denen er schon war, und immer wieder alles gibt und sich jeder noch so schwierigen Herausforderung stellt – ich wünsche mir so sehr, dass es sich auszahlt und wir die Cavs mal mindestens in den Conference Finals sehen.

Ein Highlight auch, dass Alex Mumbrù bei beiden Spielen vor Ort war, um zu checken, wie es Dennis geht. Ich habe ihn am Samstag beim Spiel gegen die Celtics courtside sitzen sehen und ihn einfach angesprochen, da wir noch zwei Live-Schalten mit Sky Sport hatten. Ich dachte, ich frage mal nach, ob er nicht Lust hat, mit in die Live-Übertragung zu kommen. Gefragt, getan – Alex war dann post-game mit von der Partie. Seine Gedanken und Eindrücke hören zu dürfen, ist natürlich ein Riesen Mehrwert gewesen.

Ich bin einfach immer wieder überwältigt, was ich alles erleben darf. Aber auch dieser Moment konnte nur entstehen, wenn man mutig fragt. Also was lernen wir wieder: Immer wieder mutig sein. Mehr als ein Nein oder dass es am Ende doch nicht klappt, kann nicht passieren. Aber wer nicht fragt, hat schon verloren. So abgedroschen dieser Satz ist, so wahr ist er doch.

Das war es soweit erst mal von mir. Ich genieße jetzt noch zwei freie Tage hier in Cleveland und eins kann ich euch sagen: Cleveland ist gar nicht so scheiße, wie viele immer sagen. Habe mir hier echt schon schöne Ecken rausgesucht. Playoffs in Cleveland können kommen, ich bin ready.

Euer Flight Girl

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