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100 Jahre Und Kein Bisschen Rostig: Die Jubiläumstour Der Harlem Globetrotters

by Holger Werner
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Vor ein paar Tagen ging sie zu Ende, die Deutschland Tour der wohl bekanntesten „Basketball Showtruppe“ der Welt, der Harlem Globetrotters.

Seit nun mehr 100 Jahren begeistern sie schon ihre Fans weltweit, ihre Reisepässe sind prall gefüllt mit bunten Stempeln von mehr als 120 Nationen, und ihre Eindrücke die sie hinterlassen, sind vor allem bei vielen tausend Kindern nachhaltig und prägend.

Schon lange also, bevor Basketball in Deutschland richtig ankam, stattfand und Proficlubs hierzulande über ein Entertainment Programm zur Aufwertung an Spieltagen nachdachten, zeigten die Globetrotters wie man es richtig macht! Der Mix aus Show und Sport, Unterhaltung auf höchstem Niveau, ist mittlerweile zum wichtigen Bestandteil in einem wachsenden Markt geworden, der neben Erfolg auf dem Court, auch um Sponsoren kämpft!

Auch deshalb fanden an einem gefühlt frühsommerlichen Abend Ende April wieder viele Basketball begeisterte den Weg zur im Frankfurter Stadtteil Höchst gelegenen Ballsporthalle, in der die von Headcoach Flip „Saul“ White angeführte Squad einen von insgesamt 15 Tourstopps einlegte. Ein Tag wie gemalt war es, perfekt für eine Pregame Show auf dem Vorplatz der Arena, wo sich lange vor Öffnung der Türen schon viele Kinder tummelten, um auf dem Ende der 80er Jahre angelegten „Asphaltcourt“ in vielen bunten NBA Jerseys ihre Skills unter Beweis zu stellen.

Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Einlass begann dann bereits ein buntes Treiben auf dem Court der heimischen Frankfurt Skyliners, denn mit dem „Magic Pass“, einem Ticket „Add On“ zur Veranstaltung bekamen die Jugendlichen die Möglichkeit die Stars und Vorbilder einmal hautnah zu erleben. An verschiedenen Stationen gab es unterhaltsame Small Talks, Selfies fürs Familienalbum und Tipps aus erster Hand. Erlernte Tricks nahm man entweder stolz mit nach Hause, oder führte sie den Eltern direkt noch auf dem Court vor. Wohin man im weiten Rund auch schaute, strahlende Kinder und Eltern schon vor Beginn des offiziellen Programms!

Was für die Globetrotters seit Jahren normaler Alltag ist, war für die vielen Gäste, die für das Event an diesem Tag teilweise weite Strecken zurücklegten eine tolle Erfahrung schon zum Einstieg in einen Abend voller Highlights!

Aus einem Nachbarort gekommen waren auch die beiden Brüder Leon ( 7 ) und Marlon ( 12 ) mit ihren Eltern, und einem Freund der Familie, der die Jungs bisher nur im heimischen Garten spielen sah, ihren Enthusiasmus aber sofort erkannte und über die sozialen Medien vom Auftritt der Globetrotters in Frankfurt erfuhr.

Die beiden waren nach der 30 minütigen „Private Session“ sichtlich angetan:

„Es war total cool, dass wir die Spieler mal so nah sehen durften, unser Papa hat uns damit wirklich überrascht“, freute sich Marlon.

Foto: Holger Werner/OpenCourt-Basketball

Ihre Vorbilder sind Lebron James und Michael Jordan (beide trugen ein Jordan Jersey!), aber auch Dennis Schröder finden sie richtig cool! Im Verein spielen sie noch nicht, aber spätestens nach diesem Event dürfte der Weg zur Sporthalle nicht mehr weit sein.

Beeindruckt waren dann nicht nur Sie, als „Jumpin´Joe“ , „Too Tall Winston“,  „Torch George“ und der Rest Globetrotters unter tosendem Applaus beim Warmup erst über den Court flitzten, witzige Dehnübungen machten und danach auch noch reihenweise Bälle von der Tribüne aus warfen und im Korb versenkten! Bewaffnet mit Popcorn und Softdrinks staunten die Zuschauer dann nicht schlecht, als der Hallensprecher als das Licht ausging das US Konsulat und mitgebrachte Marines ankündigte.

Wer schon mal in Amerika eine Sportveranstaltung besucht hat wusste sofort, was folgen sollte, denn nicht nur die Globetrotters, sondern auch die vielen immer noch im RheinMain Gebiet lebenden Amerikaner sollten sich heimisch fühlen. „The Star-spangled Banner“, die Nationalhymne der Vereinigten Staaten, war dann für viele der erste Gänsehaut Moment, dem in den nächsten knapp zwei Stunden viele weiteren folgen sollten.

Wilde Dreier, Alley-Oops, verrückte Dribblings und Pässe, nicht selten gab es dafür Standing Ovations auf den Rängen in der gut gefüllten Halle. Die Show der Globetrotters hat zwar eine gewisse Routine, lebt aber am Ende auch immer vom Publikum und deren Laune. So wurden auch an diesem Abend wieder einige Zuschauer teilweise unfreiwillig mit in die Show einbezogen. Im Optimalfall wird man für einen kurzen Moment selbst zum Star, fängt nur einen Ball und darf diesen dann unter Anleitung auf einem Finger jonglieren. Hat man jedoch Pech, landet ein prall gefüllter Wassereimer mitten im Block, die Handtasche hängt plötzlich um den Hals eines Spielers und man verliert zusätzlich sein Popcorn an einen hungrigen Member der Squad!

Für viele Lacher sorgten während der kurzen Pausen natürlich auch wieder mal die beiden Maskottchen, „Globie“ ( mmer gerne auf dem Skateboard unterwegs!) und „Big G“ ! Vor allem zweitgenanntes, ein sogenanntes „Inflatable“, überrascht nicht selten mit verrückten Breakdance Einlagen und hat mittlerweile auch seinen Weg in deutsche Hallen, unter anderem bis vor kurzem, zu den Skyliners (Rookie) gefunden! 

Photo Credit: Craig Hunter Ross

Der schönste Teil der Show ist aber natürlich immer der, der die Kids mit einbezieht, und da war Frankfurt an diesem Abend talentmäßig ganz weit vorne! Ob souverän und selbstbewusst verwandelte Freiwürfe, oder gekonnte Steals (Ball klauen von Spielern) während einer kleinen Einlage in der Viertelpause, die Kids waren überhaupt nicht nervös und wurden von den Zuschauern lautstark unterstützt und getragen! Im Vergleich zu Shows in den 80er und 90er Jahren war unverkennbar, dass der Boom und die Liebe zum Basketball mittlerweile nachhaltig angekommen und fest in der Gesellschaft verankert ist!

Selbstverständlich nahmen sich nach einem fantastischen Abend und dem final Buzzer noch alle Spieler und Coaches ausreichend Zeit, um die vielen Wünsche nach Autogrammen und Bildern zu erfüllen.

Headcoach Flip „Saul“ White, der mittlerweile fünfzehn Jahre als Spieler und Coach unterwegs ist, fasste im Anschluss, angesprochen auf den Abend und den nicht ganz so überraschenden „Win“ gegen die Generals treffend zusammen:

„Ein Spiel zu gewinnen ist immer schön, aber ein „Win“ kann am Ende viele Bedeutungen haben. Es ist immer schön zu sehen wenn wir, wie heute wieder, den vielen Kindern, und auch ihren Eltern, mit unserer Show ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können.“ 

Angesprochen auf das verrückteste, was er jemals auf einer Tour erlebt hat, sagt er bewegt:

„Wir sitzen manchmal etwas länger im Bus, wenn wir unterwegs sind. Manchmal sind es nur fünf Stunden, manchmal acht. Aber am Ende ist es ein Privileg zu reisen, und ich liebe es die Menschen und die Kulturen überall kennenzulernen und in ihre Welt einzutauchen.“

Er ist sich nicht ganz sicher, wie viele deutsche Spieler aktuell in der NBA spielen, ist aber beeindruckt von der guten Arbeit mit jungen Spielern hierzulande und hebt hervor, dass es nach wie vor nicht einfach sei, den Sprung von Europa in die NBA zu schaffen. Da Flip aus dem Bundesstaat Illinois stammt, musste die Frage am Ende natürlich gestellt werden, wer für Ihn der „Greatest of all Time“ ist:

„You already know, Michael Jordan!“

Foto: Holger Werner/OpenCourt-Basketball

Und auch wenn ein Besuch bei den Harlem Globetrotters, vor allem wenn man sich noch mit Merchandise eindecken möchte, nicht billig ist, so ist er immer noch eine schöne Abwechslung und gleichzeitig ein Bekenntnis zur Basketball Culture, sowie eine Hommage an die Originators im Game, die mit Sicherheit auch ihren Anteil zur Entwicklung des Sports in Deutschland beigetragen haben.

Tatsächlich gab es an diesem Abend nur einen Verlierer, aber die „Washington Generals“, Gegner der Harlem Globetrotters, sind es mittlerweile gewohnt und kennen es seit einem Dreivierteljahrhundert nicht anders. Auch sie schreiben nach den Spielen trotzdem weiter motiviert Autogramme und erfüllen den Fans in den Hallen jeden Wunsch, denn Sport verbindet – über viele Grenzen hinweg.

Auf die nächsten 100 Jahre!

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