Wenn deutsche NBA-Profis über Familie sprechen, klingt das oft nach Jetlag, Trades und dem Versuch, irgendwo zwischen Saisonplan und Zeitzonen Normalität zu bauen.
Dennis Schröder hat dieser Erzählung nun eine ungewohnt konkrete, gesellschaftliche Dimension gegeben. In einem aktuellen Interview mit der BILD begründet er, warum seine Kinder in den USA zu Hause unterrichtet werden, und warum diese Lösung für ihn weniger Lifestyle als Sicherheits- und Wertefrage ist.
Schröder nennt das Leben in Amerika „eine schwierige Sache“ und beschreibt seine zentrale Sorge in einem Satz, der hängen bleibt:
„Hier in Amerika ist es ein bisschen gefährlich. Es gibt sehr viele Waffen.“
Er verweist dabei ausdrücklich auf die wiederkehrenden Berichte über Gewalt an Schulen und erklärt, man wolle die Kinder „bei uns“ haben, „damit wir ihnen die richtigen Werte mitgeben können.“
Die praktische Umsetzung ist ebenso bemerkenswert wie die Begründung: Schröder sagt, zu ihnen kämen „drei Privatlehrer“, die den Stoff mit den Kindern durchgehen.
Sportlich ist Schröder ein Spieler, der seit Jahren zwischen Rollen, Teams und Erwartungen navigiert. Privat wirkt dieser Schritt wie der Versuch, dem Unkontrollierbaren wenigstens an einer Stelle Kontrolle entgegenzusetzen. Seine Argumentation trifft in den USA auf einen gesellschaftlichen Hintergrund, den viele Eltern dort real empfinden: Waffen und deren Folgen sind ein Dauerthema, und Gesundheits- und Forschungsinstitutionen haben wiederholt darauf hingewiesen, dass Schusswaffen inzwischen zu den führenden Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen gehören.
Gleichzeitig zeigt Schröders Satz „In Deutschland ist das ja nicht normal“ eine zweite, ganz praktische Bruchlinie.
Denn Deutschland kennt keine frei wählbare Homeschooling-Kultur wie Teile der USA. Hier gilt Schulpflicht, Hausunterricht ist grundsätzlich nicht vorgesehen und nur in eng begrenzten Ausnahmefällen überhaupt denkbar, genau deshalb sagt Schröder auch, man müsse „in Zukunft sehen, wie wir das machen.“
Die Pointe an dieser Geschichte ist nicht, dass ein NBA-Star ungewöhnliche Lösungen findet. Die Pointe ist, dass Schröder den Mechanismus offenlegt: Ein Weltklasse-Athlet mit Ressourcen entscheidet sich dennoch nicht für „die beste Schule“, sondern für maximale Nähe, maximale Kontrolle, maximale Sicherheit, und erklärt diesen Schritt nicht sportlich, sondern kulturell. Es ist ein Blick hinter die Hochglanzfassade der NBA, in der Familienfragen plötzlich politisch, gesellschaftlich und rechtlich werden.
Schröder wird am Ende nicht daran gemessen werden, ob Homeschooling „cool“ ist. Sondern daran, ob die Werte und die Geborgenheit, die er schützen will, tatsächlich wachsen können, in einer Lebensrealität, die zwischen Sacramento und Braunschweig nicht nur geografisch, sondern strukturell weit auseinanderliegt.
