Es ist nur gut einen Monat her, da waren die Portland Trail Blazers eines der formstärksten Teams der NBA. Doch an Abenden wie zuletzt in Atlanta kommt es einem so vor, als wäre diese Phase eine halbe Ewigkeit her.
Das Team von Interimscoach Tiago Splitter verlor mit 101:135 gegen die Hawks, nachdem man am Tag zuvor bereits eine deutliche Niederlage (93:109) in Charlotte einstecken musste. Die Blazers konnten nur fünf ihrer letzten 17 Spiele und sind selbst auf die komplette Saison gesehen vor allem eines: ein unterdurchschnittliches Team.
Platz 21 im Net-Rating (-2,8), die neuntschlechteste Offense und zwölftschlechteste Defense der Liga – nichts in Portland schreit nach einem außergewöhnlichen Team. Der Aufstieg von Deni Avdija in die Riege der All-Stars ist eine großer Lichtblick in Oregon, doch wird der Israeli sein Team in den nächsten Jahren im Alleingang tief in die Playoffs führen können? Dafür scheint der Supporting Cast schlichtweg nicht gut genug zu sein. In Abwesenheit ihres besten Spielers wirkten die Blazers zuletzt erschreckend harmlos. Jrue Holiday, Toumani Camara und Co. sind jederzeit in der Lage, der gegnerischen Offensive über mehrere Minuten hinweg das Leben zur Hölle zu machen. Doch gerade im Angriff fehlt die nötige Qualität, um mit Mannschaften wie den Hornets und Hawks Schritt halten zu können.
Und auch mit Blick in die unmittelbare Zukunft haben Blazers-Fans dieser Tage wenig Grund für Optimismus. Portland scheint im ungeliebten Mittelmaß festzustecken. Man ist nicht schlecht genug, um sich in der Draft-Lotterie vielversprechend zu positionieren. Man ist auf der anderen Seite jedoch nicht gut genug, um sich in dieser Western Conference auch nur annähernd bedeutsame Hoffnungen machen zu können. Dafür sind die drei Top-10-Picks, die man in diesem Jahrzehnt hatte – Scoot Henderson, Donovan Clingan und Shaedon Sharpe – nicht genug eingeschlagen. Keiner der drei scheint das Kaliber eines echten Franchise-Spielers erreichen zu können, was insbesondere bei dem einst als großen Hoffnungsträger geltenden Henderson eine enorme Enttäuschung ist.
Die Blazers werden die restliche Saison seriös zu Ende spielen – und dabei wahrscheinlich sogar ihre Visitenkarte im Play-In-Turnier abgeben. Doch was passiert im Sommer? Kann der dann 36-jährige Damian Lillard der Franchise nach seiner Rückkehr neues Leben einhauchen? Lassen sich Abnehmer für die großen Verträge von Holiday und Jerami Grant finden? Können die jungen Spieler an der Seite von Lillard und Avdija vielleicht doch zu einem gefährlichen Team heranreifen? Bekommt man mit etwas Glück in der Lottery doch noch eine Chance auf einen echten Franchise-Spieler? All das bleibt abzuwarten. Stand jetzt sollte Portland alles daran setzen, sich aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit zu befreien.
