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Wie Ein Film In Etappen: Moritz Wagners Rückkehr Und Das Emotionale Heimkommen

by Len Werle
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Moritz Wagner hatte kaum Zeit, um überhaupt zu begreifen, dass er wieder NBA-Basketball spielt, und doch stand er schon wieder in Deutschland, in der Heimat, als wäre jemand beim Drehbuch zu schnell auf „Vorspulen“ gegangen.

Comeback, direkt in den Flieger, Jetlag in den Knochen, das zweite Spiel zurück ausgerechnet als Berlin-Heimkehr:

„Ich hatte noch gar nicht so richtig Zeit, da nur zu reflektieren, weil direkt danach im Flieger gesprungen und hergekommen und seitdem jage ich dem Schlaf hinterher“, sagte Wagner, auf die Frage von OpenCourt-Basketballs Lino Atmowihardjo und lachte dabei fast entschuldigend, als müsse er sich rechtfertigen, dass selbst große Gefühle manchmal vom Reiseplan überrollt werden.

Dabei ist genau dieses Überrollen das passende Bild für seine vergangenen Monate. Wer eine Kreuzbandverletzung durchlebt, lebt nicht in Highlights, sondern in Routinen. In repetitiven Tagen, in denen Fortschritt nicht wie ein Sprung aussieht, sondern wie ein Millimeter. Wagner beschreibt diese Zeit als Phase, in der man „viel opfert“; und das ist kein Sportler-Klischee, sondern die nüchterne Wahrheit über einen Sommer, der sich nicht nach Sommer anfühlte. Während andere Bilder hatten, hatte er Pläne. Während andere unterwegs waren, war er im Kraftraum.

„Ich habe das halt im Sommer nicht gemacht, weil ich trainiert habe und auch sehr viel Zeit alleine verbracht habe“, sagte er.

Das ist der Satz, der hängen bleibt, weil er so unglamourös ist. Allein. Nicht aus Drama, sondern aus Notwendigkeit.

Und dann kommt die zweite Ebene, die diese Rückkehr noch filmischer macht: die Distanz zum Glück der anderen. Wagner spricht es offen an. Er musste im Sommer „den Jungs zuschauen“, wie sie jubelten, während er fernab, „im entfernten L.A.“, mit seiner eigenen Realität beschäftigt war. Diese Art von Entfernung ist im Profisport besonders brutal: Du bist Teil der Geschichte, aber nicht Teil des Moments. Du freust dich, aber du fühlst gleichzeitig, wie dir etwas fehlt. Nicht weil du neidisch bist, sondern weil du wieder dazugehören willst, körperlich, nicht nur emotional.

Dass sein Comeback jetzt ausgerechnet mit der Deutschland-Reise zusammenfällt, ist deshalb mehr als Timing. Es ist eine Art Rückgabe. Wagner nennt es einen „sehr emotionalen Tag für die ganze Familie“. Er erzählt, er habe „überhaupt nicht schlafen“ können. Und plötzlich klingt der Jetlag nicht mehr wie ein Reiseproblem, sondern wie ein Symptom: Der Körper ist zurück im Spielbetrieb, der Kopf holt die Monate erst jetzt ein. „Das kommt danach auch so ein bisschen hoch“, sagt er und man merkt, dass die Sätze nicht aus einer PR-Schablone stammen.

Dieser Nachhall begegnet ihm nicht nur in der Arena, sondern auch auf der Straße. 

„Auch wenn ich jetzt hier in Deutschland durch die Straßen fahre“, sagt Wagner, merke er, wie sich etwas löst.

Genau darin steckt die stille Poesie dieses Comebacks: In Orlando war es Basketball, in Berlin ist es plötzlich Leben. Der Ort macht etwas auf. Die Heimat macht die Zeit sichtbar. Und die Zeit, die im Sommer nur aus Reha bestand, wird jetzt zum Kontrast, der alles intensiver wirken lässt.

Wagner wirkt nicht, als wolle er das große Comeback-Narrativ ausspielen. Er wirkt eher erleichtert, dass er nicht mehr in der Warteschleife lebt.

„Ich freue mich echt, dass es hinter mich gebracht worden ist“, sagte er.

Das klingt nicht wie Triumph, eher wie das Ausatmen nach einem langen Satz. Und dann kommt der Blick nach vorn, konsequent und bodenständig:

„Jetzt kann ich einfach Tag für Tag mit dem Team voranstreiten.“

Keine pathetischen Versprechen, kein großes Ziel als Schlagzeile. Nur der Wunsch, wieder Teil des Alltags zu sein, weil für einen Profisportler genau das die eigentliche Normalität ist.

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