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Zu Früh Aufgestanden, Zu Spät Ringecheckt: Moritz Wagner Gibt Comeback

by Len Werle
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Es war einer dieser Abende, an denen du merkst: Manche Comebacks passieren nicht in einem einzigen Schritt zurück aufs Parkett, sie passieren in kleinen, menschlichen Szenen dazwischen. Und Moritz Wagner hat gleich in der ersten Minute nach 13 Monaten Pause so eine Szene geliefert, die gleichzeitig rührt und lustig ist.

Beim 128:118-Heimsieg der Orlando Magic gegen die New Orleans Pelicans stand Wagner im ersten Viertel zum ersten Mal seit dem 21. Dezember 2024 wieder kurz davor, eingewechselt zu werden. Der deutsche Big Man, der sich damals das Kreuzband im linken Knie riss und anschließend operiert wurde, erhob sich, und die Halle erhob sich mit ihm. Lauter Jubel, echte „Welcome back“-Energie, dieses seltene Gefühl, dass ein ganzes Publikum kollektiv versteht, was ein Jahr Reha bedeutet.

Und dann: der totale Bummer.

Wagner war praktisch schon Teil der Szene, schon im „Jetzt geht’s los“-Modus, nur eben einen Tick zu früh. Am Ende musste er noch einmal zurück auf die Bank, weil es formell noch nicht passte. Dieses winzige Timing-Missverständnis machte die Situation so tragikomisch: Erst bekommt er den Applaus, als würde er gleich wieder NBA-Basketball atmen, und dann sitzt er wieder da, als hätte ihn jemand auf Pause gedrückt.

Aber das Schöne an diesem Comeback war: Es blieb nicht bei der Enttäuschung im Übergang. Wagner kam dann tatsächlich reinm und er kam rein wie jemand, der nicht nur „fit“ ist, sondern richtig Lust hat. Der Weltmeister erzielte in rund 10 Minuten 8 Punkte, und jedes Mal, wenn er Kontakt suchte oder sich in die Zone warf, war da sofort wieder diese typische Wagner-Energie: ein bisschen Chaos, ein bisschen Frechheit, viel Präsenz.

Das Timing dieses Abends war dabei mehr als nur sportlich symbolisch. Orlando nutzt die Rückkehr nicht zufällig jetzt: Das Spiel gegen New Orleans war der letzte Auftritt vor dem Transatlantik-Trip, denn die Magic spielen diese Woche ein historisches Paket für deutsche Fans: Orlando gegen Memphis am Donnerstag in der Uber Arena in Berlin und wenige Tage später noch einmal gegen die Grizzlies in London (O2 Arena).

Für Moritz Wagner ist Berlin mehr als ein Event. Es ist ein Homecoming, das nicht nach Marketing schmeckt, sondern nach Biografie. Berlin ist der Ort, an dem er Basketball als Kind „aufgesogen“ hat und nun kommt er als NBA-Profi zurück in eine Arena, in der deutsche Fans ihn nicht nur als Spieler sehen, sondern als einen von ihnen. Dass sein Comeback in Orlando ausgerechnet so begann, erst der Riesenapplaus, dann der kurze Rückwärtsgang, wirkt im Nachhinein wie ein perfektes Bild für die letzten 13 Monate: Du bist bereit, du stehst auf, du willst los, und dann sagt dir irgendetwas nochmal: „Noch nicht. Noch kurz warten.“

Und trotzdem: Er ist zurück. Nicht irgendwann, nicht „bald“, sondern jetzt. Mit Punkten. Mit Rhythmus. Mit dem kleinen And-One-Moment, der gezeigt hat, dass sein Körper wieder Kontakt aushält und sein Kopf wieder NBA-Geschwindigkeit akzeptiert.

Die einzige offene Frage vor Berlin schwebt parallel über allem: Ob Bruder Franz Wagner rechtzeitig fit wird, nachdem er zuletzt mit einer Knöchelverletzung fehlte. Für die deutsche Kulisse wäre „Wagner & Wagner“ natürlich die Idealversion des Drehbuchs. Aber selbst wenn es „nur“ Moritz ist: Nach dem Jahr, nach dem Kreuzbandriss, nach dem verpassten Sommer, wäre schon sein bloßes Einlaufen in Berlin ein Moment, der lauter sein wird als jede Einblendung.

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